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Fischadler Sophies Reise
Fischadler Sophies Reise
Seit 2005 können Naturliebhaber von April bis Mitte September in unserem täglichen Live-Programm per Webcam aus Storkow Einblick in das Familienleben der Fischadler nehmen. Seither haben in dem Horst fünf Fischadlerpaare gebrütet und neun Junge bis zum Flüggewerden begleitet. Die Jungadler werden im Rahmen eines bundesweiten Programms beringt und können daher identifiziert werden. Ringe in Sicht
Ein Ring trägt die Nummer der zuständigen Beringungszentrale Hiddensee. Die Ziffernkombination ist allerdings so klein, dass sie nur abgelesen werden kann, wenn das Tier erneut, hoffentlich lebend, in die Hände von Ornithologen gerät. Ein zweiter Ring trägt eine deutlich größere Prägung. Dieser Ring kann mit guter Optik am freilebenden Vogel abgelesen werden. Sogar aus dem afrikanischen Winterquartier gibt es daher Nachweise von Brandenburger Fischadlern. Es bedarf allerdings einigen Glückes zu solchen Beobachtungen. Ringe in Sicht
Wiedersehen mit Fischadlerdame 4EO
Im Frühjahr 2010 gelang ein solcher Nachweis von einem Storkower Fischadlerweibchen. Am 12. März 2010 konnte ein Ornithologe den Vogel so gut fotografieren, dass eine Ringablesung möglich war. Das Weibchen wurde 2005 als erwachsenes Tier beringt, war damit „namentlich“ bekannt und hat seither als Horstvagabund auf verschiedenen Horsten in Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen etliche Jungvögel großgezogen. In den Jahren 2005 und 2006 war das Weibchen sogar der Star der Webcam, die vor Ort betrieben und im Frühjahr 2011 erneut Bilder vom Fischadlerhorst zeigen wird. Wiedersehen mit Fischadlerdame 4EO
Nachdem wir wussten, dass dieser Fischadler (Ringnummer 4EO) unterwegs in die Heimat war, haben wir Stellung bezogen, um sie bei ihrer Ankunft zu begrüßen. Sie zeigte sich bereits nach 15 Tagen. In dieser Zeit hatte sie in Luftlinie 1.500 Kilometer zurückgelegt – eine großartige Leistung. Am Tag ihrer Ankunft haben wir beobachtet, wie sie von einem Männchen einen Fisch als Hochzeitsgabe geschenkt bekam; das Fundament der kommenden Brut war gelegt.
Der Fischadlerhorst der Heinz Sielmann Stiftung
Der Fischadlerhorst der Heinz Sielmann Stiftung
In unserem Fischadlerhorst lief ebenfalls alles wie am Schnürchen. Ein Paar, beide unberingt, besetzte die Nistplattform und baute innerhalb weniger Tage einen neuen Horst. Der alte Horst war zur Gänze verschwunden, nachdem ihm Krähen und Herbststürme zugesetzt hatten. Mitte April war das erste Ei gelegt. Das Weibchen begann mit der Brut und eine lange Zeit des Wartens begann. Dann aber schlüpfte das erste Küken. Nach wenigen Tagen konnten wir bereits zwei Küken beobachten. Die Beringung
Mitte Juli wurde es ernst. Die Jungadler waren soweit herangewachsen, dass sie beringt werden konnten. Das heißt: Sie waren groß genug, um den Ring zu tragen, aber noch nicht alt genug, um vor dem Beringer davon zu fliegen. Am Morgen des 18. Juni 2010 stieg Dr. Daniel Schmidt auf den Gittermast, ausgestattet mit den nötigen Gerätschaften. Die Beringung
Er kam zurück mit einer Überraschung: Es waren drei Junge im Horst. Das kleinste und zuletzt geschlüpfte war gesund, wog aber nur ein Drittel des größten. Dies ist keine gute Voraussetzung für die weitere Entwicklung, weil Fischadler Geschwisterliebe nicht kennen: Nachzügler müssen daher oft verhungern, weil sie nichts vom Futter abbekommen. So war es leider auch mit dem Nesthäkchen. Einige Tage später war es verschwunden. Die beiden größeren Geschwister entwickelten sich gut, was Besucher der Webcam bis Mitte Juli am Bildschirm verfolgen konnten. Dann wurde die Übertragung durch einen Blitzeinschlag in die Kamera beendet. Nichtsdestotrotz fand am 24. Juli die Verleihung der Patenschaften statt, die in diesem Jahr Jeanette Platzeck und Burghard von Westerholt übernahmen, die ihren Patenkindern die Namen Marina und Sophie gaben. Ab September wurde es ruhig um die Adler, denn sie zogen bereits ab ins Winterquartier.
Patenkind Sophie in Spanien
Trotzdem ging die Geschichte spannend weiter: Anfang November wurden wir über eine tolle Beobachtung informiert. Im spanischen Cadiz, an der Mündung des großen spanischen Flusses Guadalquivir, hatte am 13. September eine Naturfotografin einen Fischadler fotografiert. Erst zu Hause am Bildschirm bemerkte sie, dass der Adler beringt war und holte sich Hilfe bei spanischen Ornithologen. Hier konnte die Nummer des Rings abgelesen werden und auf weiteren Umwegen erfuhren wir schließlich die Identität des Adlers. Es handelte sich um 8SY alias BA 018098 alias Sophie. Der Patenvogel von Herrn Burghard von Westerholt war wohlbehalten in Spanien angekommen und hatte von Storkow aus bereits mehr als 2.300 Kilometer Luftlinie zurückgelegt. Inzwischen wird er sich in Afrika aufhalten und erst in drei Jahren zurückkehren, wenn er geschlechtsreif geworden ist. Patenkind Sophie in Spanien
Schutzprogramm für Fischadler
Individuelle Adler-Schicksale verfolgen zu können, ist eine aufregende Sache und schafft eine persönliche Beziehung zu den Tieren. Trotzdem sollte nicht vergessen werden, dass es viele weitere Geschichten von Fischadlern gibt, die unberingt sind und daher an anderen Stellen der Welt nicht wiedererkannt werden können. Schutzprogramm für Fischadler
Für einige dieser anonymen Adler hat sich die Heinz Sielmann Stiftung in diesem Jahr eingesetzt. Ein besonderes Projekt haben wir mit Unterstützung unseres Adlerpaten Prof. Rainer Schwarz und den Berliner Flughäfen in Angriff nehmen können.
Um frühzeitig Änderungen in der Überlebenswahrscheinlichkeit von Fischadlern erkennen zu können, werden derzeit die umfangreichen Daten vieler Fischadler ausgewertet, die im Laufe des Beringungsprogramms beringt wurden. Über etliche dieser Adler liegen längere Beobachtungsreihen vor, aus denen abgeleitet werden kann, wie alt ein Fischadler durchschnittlich wird. Zunächst zu trockenen Statistiken aufbereitet, können die Daten später verwendet werden, um die Vitalität der Adlerbestände zu überprüfen.
So kann bereits frühzeitig erkannt werden, wie es um unsere Adler bestellt ist. Es können rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden, damit die stolzen Tiere nicht noch einmal so gut wie von der Bildfläche verschwinden. Die Mittel für das Projekt in Höhe von 5.000 Euro stellte dankenswerter Weise die Flughafen Berlin Schönefeld GmbH zur Verfügung.


