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Das Fischotterschutzprogramm – mehr Lebensraum für verspielte Wassermarder

Fragte man Heinz Sielmann nach seinem Lieblingstier, so kam stets die Antwort: „Der Fischotter!" So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Heinz Sielmann Stiftung seit Jahren intensiv für die Rettung des vom Aussterben bedrohten Wassermarders einsetzt. Ziel ist es, seine Lebensgrundlage dauerhaft zu sichern. So benötigt er naturnahe Fließgewässer und Seen als Lebensraum. Die Wurzeln alter Gehölze am Uferrand dienen ihm oft als Höhle.
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist der Otter nur noch selten zu beobachten. Seine Bestände gehen kontinuierlich zurück. Ursachen sind vor allem die voranschreitende Einengung und Zerstörung seiner Lebensräume, zum Beispiel durch Trockenlegung, Begradigung oder Verschmutzung. Insbesondere der Ausbau von Gewässern und der damit verbundene Rückgang vielfältiger und artenreicher Uferstrukturen wirkte sich verheerend auf die Otterbestände aus. Und dort, wo der Fischotter noch häufiger anzutreffen ist, lauert oft der Tod auf der Straße.

Inzwischen ist der Fischotter in Europa in seinem Bestand stark bedroht. In der Bundesrepublik Deutschland existieren stabile Fischotter-Vorkommen lediglich noch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, mit Einschränkungen auch in Sachsen. Restbestände von nur wenigen Tieren kommen in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern vor. In den übrigen Bundesländern ist der Fischotter ausgestorben.

Fotograf: Holger Keil

Nach anfänglichem Engagement für den Fischotter in Brandenburg, konzentrierte sich die Hilfe der Heinz Sielmann Stiftung für den Fischotter von 1998 bis 2005 vor allem auf die Restbestände in Ostbayern. Inzwischen haben sich die Bestände dort wieder deutlich erholt, so dass die Heinz Sielmann Stiftung ihre Aufmerksamkeit seit 2005 nun vermehrt dem Fischotterschutz in Schleswig-Holsteins widmet.

Fischotterschutzprogramm Schleswig-Holstein

Der Fischotter wurde in Schleswig-Holstein – ebenso wie im gesamten mitteleuropäischen Raum – durch Verfolgung und Lebensraumzerstörung fast ausgerottet. Allmählich erholen sich die Bestände jedoch wieder und breiten sich von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in Richtung des nördlichsten Bundeslands aus. Ebenso wandern einzelne Tiere aus Jütland (Dänemark) südwärts. Folglich besteht aktuell die berechtigte Hoffnung, dass sich in Schleswig-Holstein die norddeutschen Populationen mit denen Nordjütlands (Dänemark) vereinigen.

Um die gegenwärtig noch labile Bestandssituation in Schleswig-Holstein zu festigen, müssen dringend Maßnahmen zum Schutz dieser Tiere ergriffen werden; insbesondere solche, die zur Vermeidung von Verkehrsopfern beitragen. Vor diesem Hintergrund wurden 2005 an verschiedenen Störstellen entlang von stark befahrenen Straßen in Kooperation mit dem Natur- und Umweltschutzzentrum Hohner See (NUZ) durch den Bau von Otter-Bermen (stegartige Ufer unter Brücken) sowie die Installation von Leitzäunen Gefahrenstellen entschärft.

Das ursprünglich in der Eider-Treene-Sorge-Region gestartete Fischotterschutzprogramm wurde 2006 auf Ostholstein ausgeweitet. Projektpartner sind das Natur- und Umweltschutzzentrum Hohner See und der neu hinzugewonnene Verein „Wasser Otter Mensch“. Mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket, bestehend aus Fließgewässer-Renaturierungen, Anlage und naturnaher Gestaltung von Stillgewässern, Schutzhecken-Pflanzungen und dem Umbau von nicht-fischottergerechten Brücken, wurde 2006 der Rückkehr des Wassermarders nach Schleswig-Holstein der Weg bereitet. Eine flächige Wiederbesiedlung Schleswig-Holsteins und die Vereinigung deutscher und dänischer Fischotterpopulationen rücken somit näher.

Neue Chance in Bayern

In Bayern konnte der Fischotter am Südrand des Bayerischen Waldes nachgewiesen werden. Die Tiere haben, im Gegensatz zu vielen kleinen und isolierten westeuropäischen Beständen, Kontakt zu einer größeren tschechisch-österreichischen Population. Diese Tatsache eröffnet die große Chance, den bayerischen Bestand dauerhaft zu stabilisieren und wachsen zu lassen.

Entlang zusammenhängender Fließgewässer kauften die Heinz Sielmann Stiftung und die Wildland Gesellschaft bis 2005 geeignete Trittsteinbiotope für den Fischotter. Diese wurden als Lebensraum geschützt und optimiert. So bieten neu gestaltete, artenreiche Uferrandstreifen heute Schutz und Deckung. Neu angelegte Nahrungsteiche und Amphibientümpel verbesserten das Nahrungsangebot.

Hilfe für den Fischotter in Brandenburg

An besonderen, durch Todfunde nachgewiesenen Gefährdungspunkten, wo Fischotter Straßen nicht unterqueren können, errichteten die Heinz Sielmann Stiftung und das Landesumweltamt Brandenburg Otterröhren und Leitzäune.

Bei dem Versuch, über die Straßen zu wechseln, werden die Otter durch Zäune abgefangen und zu Durchlässen geleitet. Dort können sie die Straße gefahrlos unterqueren.